Warum fühle ich so intensiv
Wenn mich was bewegt, schießen mir die Tränen in die Augen. Zu Tode betrübt und himmelhochjauchzend? Kann ich! Horrorfilme? Keine Chance - ich halte Grusel nur ganz schwer aus. Und Freude – die fühlt sich bei mir manchmal so groß an, dass ich gar nicht weiß, wohin damit.
Und wenn du den Artikel hier findest, dann kennst du das Gefühl vielleicht von dir und du fragst dich: Warum fühle ich so stark? Ist da irgendwas falsch mit mir?
Nö. Aber ich verstehe, warum sich das manchmal so anfühlt.
Du nimmst einfach mehr wahr – das ist Hochsensibilität
Wenn du so tief & viel fühlst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du hochsensibel bist. Hochsensibilität ist kein Trend und keine Ausrede – es ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, das etwa 15–20 % aller Menschen betrifft.
Was das konkret bedeutet: Dein Nervensystem nimmt deutlich mehr Reize wahr als das der meisten anderen. Nicht nur äußere Reize wie Lärm oder Licht, sondern auch feinste emotionale Signale. Die Stimmung in einem Raum. Die Anspannung in einer Stimme. Das unausgesprochene Thema beim Familienessen.
Du bist sozusagen das Alarmsystem der Gesellschaft – du nimmst als erstes wahr, wenn etwas nicht stimmt. Und das, was du wahrnimmst, verarbeitest du auf einer Tiefe, die andere gar nicht kennen. Deshalb fühlst du so intensiv. Es ist keine Schwäche. Es ist deine Veranlagung.
Gefühle dauern eigentlich nur 90 Sekunden – wenn wir sie lassen
Hier kommt etwas, das mich selbst damals ziemlich überrascht hat: Ein Gefühl braucht theoretisch nur 90 Sekunden, um durch deinen Körper durchzulaufen. 90 Sekunden. Wenn wir es einfach da sein lassen.
Das Problem ist: Das tun wir meistens nicht. Wir wollen nicht traurig sein. Wir wollen nicht, dass andere das sehen. Wir fragen uns gleichzeitig schon, warum wir schon wieder so sind. Wir gehen in den Widerstand – und genau das hält das Gefühl fest. Manchmal für Stunden, manchmal für Tage.
Das kenne ich von mir selbst. Ich hatte lange das Gefühl, die Traurigkeit verschluckt mich einfach. Dass ich da nicht rauskomme. Was ich damals noch nicht wusste: Ich habe nicht zu viel gefühlt. Ich habe nur nicht gelernt, das Gefühl einfach da sein zu lassen.
Manchmal sind es gar nicht deine eigenen Gefühle
Das ist etwas, das ich in meiner Arbeit immer wieder erlebe – und was viele Menschen erstmal überrascht: Ganz vieles von dem, was wir fühlen, gehört gar nicht zur aktuellen Situation. Es sind alte Gefühle. Alte Verletzungen, die sich in dem Moment melden. Das innere Kind, das sagt: Hallo, ich möchte endlich gesehen werden.
Und manchmal sind es sogar Gefühle, die wir transgenerational mitbekommen haben – also Muster und Emotionen, die schon unsere Eltern oder Großeltern mit sich getragen haben, ohne sie je aufzulösen. In der Ahnenarbeit begegnet mir das regelmäßig, und es ist jedes Mal wieder bewegend zu sehen, wie viel leichter es für Menschen wird, wenn sie merken: Das war gar nicht meins.
Oh und dann fühlen wir auch noch viel von anderen Menschen… Thema Abgrenzung. Hör da gerne in Folge 10 meines Podcasts rein, wenn dich das Thema interessiert…
Deine Gefühle wollen dir immer etwas sagen
Ich sage meinen Klient:*nnen immer wieder: Es gibt keine negativen Gefühle. Denn jedes Gefühl will dir was sagen.
Traurigkeit sagt dir: Hier stimmt gerade etwas für mich nicht.
Wut zeigt dir: Hier werden meine Grenzen nicht gesehen.
Angst meldet: Das ist neu, das kenne ich nicht, ich bin unsicher ob ich das halten kann.
Sogar Neid hat eine Botschaft – er zeigt dir, was du dir wünschst, was du gerade aber nicht haben kannst.
Keines dieser Gefühle ist falsch. Keines ist übertrieben. Und niemand – wirklich niemand – hat das Recht, dir zu sagen, dass du gerade falsch fühlst. Deine Gefühle haben eine Berechtigung. Immer.
Du bist nicht zu viel
Vielleicht hast du als Kind Sätze gehört wie: „Stell dich nicht so an." „Reiß dich zusammen." „Leg dir ein dickeres Fell zu." Diese Sätze haben sich eingegraben – und viele hochsensible Menschen tragen sie noch heute mit sich. Sie führen dazu, dass wir Gefühle abspalten, nur noch alleine fühlen oder irgendwann beschließen: Ich fühle einfach gar nichts mehr.
Das ist keine freie Entscheidung. Das ist ein Überlebensmechanismus. Er war mal wichtig und darf jetzt gehen.
Das intensive Fühlen ist kein Fehler. Es ist ein Teil von dir. Was du lernen darfst: nicht weniger zu fühlen – sondern mit diesen Gefühlen so umzugehen, dass sie dich nicht mehr übermannen.
Magst du das gemeinsam mit mir anschauen?
Im Coaching schauen wir uns an, welche alten Muster und Verletzungen hinter deinen intensiven Gefühlen stecken – und wie du wieder ins Vertrauen zu dir selbst kommen kannst. Ob für dich selbst, oder weil du siehst, dass dein Kind so intensiv fühlt und du nicht weißt, wie du damit umgehen sollst.
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Und wenn du reinhören möchtest: In Folge 25 des Sensitive Space Podcasts spreche ich genau darüber – „Warum du nicht falsch fühlst".