Die Perimenopause: der unbemerkte Start in die Wechseljahre

Ein Gastbeitrag von Yvonne Steffe, Wechseljahreberaterin

Vor sieben Jahren begann es bei mir: Ich hatte immer häufiger starke PMS- Schmerzen bevor meine Tage einsetzten, mir war oft schwindelig und ich hatte Gelenkschmerzen. Der Besuch bei der Frauenärztin machte klar: „Dingdong, hallo. Die Wechseljahre stehen wohl vor der Tür, das nennt man Perimenopause.“ Viel mehr machte der Besuch aber nicht klar, das muss ich gleich dazu sagen.

Ich war damals Mitte 40. Aufgewachsen war ich mit Sätzen wie „da muss man durch“, „Hormone nehmen ist schlecht und gefährlich“ oder „die Wechseljahre hat man erst, wenn man keine Periode mehr hat“.

Ich fühlte mich von der Gynäkologin nicht gut betreut und dadurch hilflos, mir fehlte Wissen dazu, wie ich mit meinen Beschwerden und dieser krassen Umbruchphase umgehen könnte. Und so ging es auch vielen meiner Freundinnen.

Ich habe mich monatelang sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt: Bücher gelesen, das Internet durchforstet und die Frauenärztin gewechselt.

Als ich so langsam meinen Weg durch meine Wechseljahre gefunden hatte, wurde für mich klar: Ich möchte mit dazu beitragen das Wissen der Frauengesundheit professionell zu verbreiten. Ich habe also eine Ausbildung gemacht und seit 2025 arbeite ich als Wechseljahreberaterin.

Ich beschreibe in diesem Beitrag, was die Perimenopause eigentlich genau ist und warum sie häufig übersehen wird. Und ich gebe Tipps, worauf Frauen in den Wechseljahren achten sollten, um selbstbestimmt ihren Weg zu finden durch diese Umbruchphase.

Jede Frau erlebt die Wechseljahre anders, weil es dabei nicht nur um körperliche Aspekte geht, sondern auch um die mentale Gesundheit. Es ist für viele Frauen eine richtig herausfordernde Zeit.

Was hilft: Sich selbst neu zu entdecken und zu entfalten ist eine befreiende Möglichkeit die Wechseljahre zu betrachten und zu erleben.

Was ist die Perimenopause und wann beginnt sie?

Oft beginnt die Perimenopause bereits mit Mitte 40, sie kann aber auch noch früher einsetzen. Es ist die 5-10 Jahre lange hormonelle Umbruchphase im Körper, bevor die Regel komplett ausbleibt. Der weibliche Körper benötigt diesen Zeitraum für den Wechsel.

Wenn die Tage dann ein Jahr lang gar nicht mehr gekommen sind, nennt man das Menopause. Nach dieser Zeit ist man in der Postmenopause. Alles zusammen: Perimenopause, Menopause und der Übergang in die Postmenopause wird als Oberbegriff mit „Wechseljahre“ bezeichnet.

Die Perimenopause ist dabei die Übergangszeit in der drei Hormone im weiblichen Körper abnehmen. Es handelt sich um die Hormone Östrogen, Progesteron und Testosteron. Sie werden umgangssprachlich oft als „Sexualhormone“ bezeichnet, sind aber für viel mehr verantwortlich:

1. Östrogen:

Hauptfunktion: verantwortlich für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (in der ersten Zyklushälfte), Knochenstoffwechsel und Hautgesundheit.

2. Progesteron:

Hauptfunktion: bereitet die Gebärmutter auf eine Schwangerschaft vor (in der 2. Zyklushälfte), wirkt beruhigend, schlaffördernd und knochenstützend.

3. Testosteron:

 Hauptfunktion: wichtig für Muskelmasse, Libido, Energie und Knochendichte.

Die Perimenopause ist dynamisch und kann sich von Zyklus zu Zyklus unterschiedlich äußern. Genau deshalb wird sie zu Beginn oft übersehen. Viele Frauen denken, dass es leichte Zyklusschwankungen, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen, eben „normaler“ Stress sind.

Dabei ist es gerade in dieser Phase sehr wichtig, aufmerksam zu sein: Wer die Perimenopause-Symptome erkennt, kann den Übergang bewusst und selbstbestimmt gestalten.

Warum die Perimenopause oft erstmal nicht erkannt wird

Subtile Symptome:

Anfangs treten mögliche Veränderungen oft nur leicht auf: veränderte Blutungen, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen, Gliederschmerzen, Schlafstörungen etc.

Verwechslung mit Alltagssymptomen:

Stress, Schlafmangel etc. können ähnliche Symptome auslösen, sodass hormonelle Ursachen nicht vermutet werden.

 Unwissenheit über die Perimenopause:

Viele Frauen (und auch Ärzt*innen) wissen eben nicht, dass diese Übergangsphase 5-10 Jahre dauern kann und eigene Perimenopause- Symptome hat.

Typische mögliche Perimenopause-Symptome – wir blicken tiefer rein:

Körperliche Veränderungen:

♡ Zyklusschwankungen: kürzere oder längere Zyklen, stärkere oder schwächere Blutungen, Zwischenblutungen

Hitzewallungen & Nachtschweiß: anfangs sporadisch, besonders nachts

♡ Starkes Herzklopfen: dadurch kann Unruhe entstehen oder ein vorübergehendes Angstgefühl

♡ Schlafprobleme: Schwierigkeiten beim Einschlafen oder Durchschlafen

♡  Gewichtszunahme & veränderte Körperfettzusammensetzung: besonders

im Bauchbereich, trotz gleichbleibender Ernährung

Haut, Haare & Nägel: trockenere Haut, feiner werdendes Haar, brüchige Nägel durch reduzierte Kollagenproduktion

Gelenkschmerzen: diffus im ganzen Körper oder immer wieder an einzelnen Stellen

Mögliche emotionale & mentale Veränderungen in der Perimenopause 

Stimmungsschwankungen: Gereiztheit, bis hin zu leichten depressiven

Verstimmungen, emotionale Sensibilität

Kognitive Veränderungen: Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit

oder verlangsamtes Erinnern

Energieverlust: Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder das Gefühl, „nicht mehr

alles packen zu können“

Hochsensible Frauen in der Perimenopause 

Hochsensible Menschen reagieren oft stärker auf hormonelle Schwankungen.

Bezogen auf die Perimenopause kann das bedeuten:

Intensivere Stimmungsschwankungen: Emotionen werden tiefer undschneller wahrgenommen

Überstimulation: Lärm, Reize oder Stresssituationen wirken belastender

Verstärkte körperliche Symptome: Hitzewallungen, Schlafprobleme und Müdigkeit können stärker ausgeprägt sein

Wie gehe ich mit der Perimenopause um?

🌹 Auf Signale des Körpers hören: Symptome wahrnehmen und ernst nehmen

🌹 Zyklus dokumentieren: Ein einfaches Tagebuch hilft, Muster zu erkennen

🌹 Professionelle Unterstützung: Gynäkologische Betreuung (inkl. Informationen zur Hormonersatztherapie (HET/HRT)), mentale Wechseljahreberatung, darüber hinaus: ggf. Endokrinologin und Ernährungsberaterin einbeziehen

🌹 Ggf. Blutwerte prüfen: Hormone (Östrogen, Progesteron, FSH, LH), Cholesterin, Blutzucker und Schilddrüse beobachten: Absprache mit der gynäkologischen Praxis und der hausärztlichen Praxis

🌹 Knochengesundheit sichern: Kraftsport und generell regelmäßige Bewegung

🌹 Schlafhygiene etablieren: je nachdem, was man braucht: Feste Schlafzeiten,

kühle Umgebung, Entspannungsrituale etc.

🌹 Ernährung anpassen: Vollkorn, Obst, Gemüse, Omega-3, Kalzium, Zucker und Fertigprodukte reduzieren (je nachdem, wie man sich bisher ernährt hat)

🌹 Stressreduzierende Strategien: Reizreduzierung, Rückzugsmöglichkeiten und bewusste Pausen in den Alltag einbauen

Perimenopause-Symptome früh erkennen

Das Gute ist: Wer die Perimenopause-Symptome früh erkennt und auf die eigenen körperlichen und emotionalen Signale achtet, kann Beschwerden deutlich abmildern. Mit dem Wissen über Hormonveränderungen lässt sich diese Phase aktiv gestalten – als Chance, den eigenen Körper besser kennenzulernen und langfristig gesund und resilient zu bleiben.

Yvonne Steffe

Yvonne bietet psychologische Beratung & Coaching ausschließlich für Frauen und Wechseljahreberatung an. Außerdem leitet sie regelmäßig Waldbadenkurse als zertifizierte "Kursleiterin für Waldbaden" für Erwachsene und Kinder.

https://www.veluna-coaching.de
Weiter
Weiter

Shiatsu – achtsame Berührung, die dein Nervensystem beruhigt