Mein hochsensibles Kind steht sich selbst im Weg
„Mein Kind steht sich selbst im Weg. Dabei ist es so ein tolles Kind und ich wünsche mir, dass es das weiß.“
Diese Sätze höre ich von Eltern in Vorgesprächen so, so oft.
Und ich verstehe genau, was sie damit meinen. Ihr hochsensibles Kind ist eher zurückhaltend, traut sich manche Dinge nicht zu, ist übervorsichtig oder macht sich schon vorher unglaublich viele Gedanken.
Und gleichzeitig finde ich den Gedanken „Mein Kind steht sich selbst im Weg“ schwierig. Denn er vermittelt schnell: Mein Kind müsste einfach mutiger sein, mehr aus sich herauskommen, über seinen Schatten springen. Und wenn es das nicht schafft, liegt das Problem scheinbar beim Kind.
Und genau das ist das Ding:
Mit deinem Kind ist alles in Ordnung.
Denn es gibt gute Gründe dafür, warum dein hochsensibles Kind so vorsichtig und zurückhaltend ist. Und ja: Gleichzeitig kann sich daran auch etwas verändern.
Warum hochsensible Kinder oft so zurückhaltend sind
Evolutionär gesehen ist es unglaublich wichtig, dass es Menschen gibt, die sich viele Gedanken machen, mögliche Gefahren im Blick haben und nicht einfach kopflos losrennen.
Und hier hat mir selbst und vielen meiner Coachees ein Bild geholfen. Ich nenne es: das Rehgehirn.
Ähnliche Unterschiede im Umgang lassen sich nämlich auch bei Tieren beobachten: Manche reagieren vorsichtiger auf neue Situationen und prüfen erst einmal, bevor sie loslegen.
Das Rehgehirn: Warum dein Kind Gefahren schneller wahrnimmt
Stellen wir uns mal vor: Da stehen zwei Rehe an einer Lichtung im Wald.
Das eine Reh, wir nennen es Norman, ist nicht hochsensibel. Norman sieht das grüne Gras und rennt los. Er hat Hunger und macht sich wenig Gedanken.
Das hochsensible Reh – Flecki – denkt sich: Ich bin ja nicht blöd. Im Wald rund um die Lichtung könnten überall Gefahren lauern.
Flecki hat alle möglichen Gefahren im Blick. Er riecht und hört irre gut und spürt schnell, wenn irgendetwas nicht in Ordnung ist.
Und das hat Flecki und Norman schon oft den Hintern gerettet.
Es führt aber eben auch dazu, dass der hochsensible Flecki sich Dinge manchmal nicht traut. Weil es so viele Informationen zu verarbeiten hat und überall mögliche Gefahren wittert.
Und genau das kann auch bei deinem hochsensiblen Kind passieren.
Gerade in Situationen, die neu, ungewohnt oder schwer einzuschätzen sind, springt das „Rehgehirn“ an und denkt sich:
Nope. Viel zu gefährlich.
Übrigens: Wenn du dir die Geschichte von Flecki und Norman gemeinsam mit deinem Kind anschauen möchtest, findest du hier mein kurzes, kindgerechtes Animationsvideo über das Rehgehirn.
Wie hochsensible Kinder mehr Selbstvertrauen entwickeln können
Es gibt also gute Gründe, warum dein Kind so zurückhaltend ist.
Und gleichzeitig muss das nicht immer so bleiben.
Was helfen kann? Vertrauen in sich selbst. Selbstvertrauen.
Davon haben hochsensible Kinder ganz oft nicht genug. Denn viele von ihnen merken schon früh, dass sie anders sind. Dass sie anders ticken als andere. Dass sie vorsichtiger sind, länger überlegen oder sich Dinge nicht so schnell trauen wie die Normans dieser Welt.
Zum einen kann es ihnen deshalb total helfen, erst einmal zu verstehen:
Mit mir ist alles okay.
Deshalb könnt ihr euch zum Beispiel das Video gemeinsam anschauen und darüber sprechen, warum Flecki so reagiert.
Und dann geht es darum, nach und nach die Erfahrung zu machen: Ich kann mir vertrauen. Ich darf vorsichtig sein. Und trotzdem kann ich Dinge ausprobieren. Wenn etwas nicht klappt, finde ich eine Lösung.
Genau da setzen wir auch im Coaching an: alte Überzeugungen loslassen und Selbstvertrauen aufbauen.
Damit das Rehgehirn deines Kindes zwar weiterhin anspringen und mögliche Gefahren im Blick behalten darf – dein Kind aber gleichzeitig immer öfter überlegen kann:
Worauf habe ich eigentlich Bock?
Und sich dann vielleicht trotzdem traut, loszugehen.
Hochsensibles Kind stärken: So kann ich euch im Coaching begleiten
Wenn du dein hochsensibles Kind dabei unterstützen möchtest, mehr Vertrauen in sich selbst zu entwickeln, schauen wir im Coaching nicht nur darauf, was dein Kind verändern soll.
Wir schauen gemeinsam darauf, was hinter seinem Verhalten steckt, welche alten Überzeugungen eine Rolle spielen und was dein Kind braucht, um sich sicherer zu fühlen und sich selbst mehr zuzutrauen.
Wenn du mehr darüber wissen möchtest, schau gerne mal, wie ich hochsensible Kinder und ihre Eltern im Coaching begleite.
Alles Liebe für dich,
Susanne